I.M.O. Korntal

Die Modulanlage "Pocahontas Mining Company"



Diese Anlage wird voraussichtlich im Januar 2018 wieder in Korntal zu sehen sein!

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Im Osten der USA gibt es reiche Vorkommen an hochwertiger Steinkohle. Um die Lagerstätten wirtschaftlich ausbeuten zu können, wurden schon früh Eisenbahnstrecken in die abgelegenen Täler der Appalachen gebaut. Dabei stellten die schwierigen Geländeverhältnisse hohe Herausforderungen an Steckenplanung und -bau. Das bergige und von urwaldähnlicher Vegetation bewachsene Gelände machte zahlreiche Kunstbauten (Dämme, Brücken und Tunnel) notwendig, bedingte enge Gleisradien und starke Steigungen.

Bahngesellschaften wie die Chesapeake & Ohio, Clinchfield und Norfolk & Western verdankten ihre Existenz den Kohlelagern in West Virginia, Virginia und Kentucky. In kurzer Zeit entstanden dort hunderte von Minen. Je nach Lage der Kohlevorkommen trieb man Schächte in die Tiefe oder waagrechte Stollen in die Bergflanken. Die Minengesellschaften bauten Arbeitersiedlungen aus einfachen genormten Holzhäusern (Company Houses) und eigene Kaufläden (Company Stores) für die täglichen Dinge des Lebens.

Der steigende Energiebedarf der wachsenden Nation und die Nachfrage aus Übersee ließen die Zuglängen schnell wachsen - Züge mit 100 Wagen waren bald keine Ausnahme mehr. Allerdings machten die steigenden Zuggewichte immer stärkere Lokomotiven erforderlich. Daher erschienen bald Gelenklokomotiven (z. B. Bauart Mallet), die trotz ihrer Größe und Leistungsfähigkeit enge Gleisradien bewältigen konnten.

Pocahontas 2

Das Modell

Die zwölf Meter lange Modulanlage stellt eine fiktive, aber vorbildgerechte Situation zur Zeit der 50er Jahre in West Virginia dar. Die am Flüsschen Pine Fork gelegene Bergarbeitersiedlung Hensley verdankt ihre Existenz nur der Kohlemine, die von der Pocahontas Mining Company betrieben wird. Die Kohlesortier- und Verladeanlage (Tipple) liegt an einer eingleisigen Nebenstrecke, die parallel zum Pine Fork verläuft. Ein Abzweig überquert auf einer Stahlbrücke den Fluss.

Die in den Bergen geförderte Kohle gelangt über ein Förderband zum Tipple, wird dort über Rüttelsiebe und von Hand nach Größe sortiert und über Bänder in offene Güterwagen (Hopper Cars) verladen. Anfallender Kohlestaub wird in einem Silo zwischengelagert. Die Ladegleise liegen im Gefälle, so dass die Wagen durch Bedienen der Bremsen bewegt werden können. Nach den Anforderungen der Kunden liefert Pocahontas Mining Co. Kohle in drei unterschiedlichen Stückgrößen. Um die Staubentwicklung beim Verladen und für den Endverbraucher zu verringern, wird die Kohle mit Öl besprüht. Hierzu hat die Company die Anlage vor Kurzem nachgerüstet und einen ausgedienten Kesselwagen als Öltank aufgestellt. Als Nebengebäude sind ein Kessel- und Generatorhaus und einige Baracken vorhanden.

Auf der rechten Uferseite ist die Siedlung Hensley angeschnitten. Drei einfache Company Houses liegen direkt unterhalb des Bahndammes. Sie bieten den Bergarbeiterfamilien bescheidenen Komfort. Die US-Industrie hatte nach 1945 Überkapazitäten infolge des Zweiten Weltkrieges, stellte aber schnell u. a. auf die Massenfertigung von erschwinglichen Automobilen um. Wegen des inzwischen gestiegenen Wohlstands können sich nun auch Bergarbeiter Autos leisten. Bald werden Personenzüge deshalb auch hier verschwunden sein. Die Zeiten, als die Minengesellschaft ihre Arbeiter nur mit Gutscheinen (Scrip) für ihren eigenen Laden entlohnt hat sind längst vorbei, aber der Company Store ist immer noch das einzige Geschäft am Ort und neben der (nicht dargestellten) Kirche sozialer Mittelpunkt.

Pocahontas 3

Die Mine liegt an einer Strecke der Norfolk & Western Railway. Ihre betagten Lokomotiven der Baureihe Y3 plagen sich unermüdlich mit den Kohlezügen, während sich ab und zu moderne, in den 1940er Jahren entwickelte Loks der Baureihen A und Y6b sehen lassen. Aber auch ihre Tage sind gezählt: Die Norfolk & Western hat bereits damit begonnen, Diesellokomotiven zu beschaffen.

Technik und Gestaltung

„Pocahontas Mining Co.“ verlädt zerkleinerte Steinkohle real über Förderbänder in offene Güterwagen. Hierzu ist eine aufwändige Technik komplett im Eigenbau aus handelsüblichem Material entwickelt worden. Sie umfasst sowohl die Fördertechnik für die Kohle als auch die Mechanik für den Vorschub der Güterwagen. Aus Vorratsbunkern wird den Förderbändern Kohle über Förderschnecken getrennt nach drei verschiedenen Korngrößen zugeführt. Die Fördermengen der Bänder sind auf Größe und Vorschubgeschwindigkeit der Güterwagen abgestimmt.

Pocahontas 4
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Die Züge verkehren digital gesteuert auf der Zweileiter-Anlage. Alle Triebfahrzeuge sind mit Sound-Dekodern ausgestattet. Für verdeckte Gleisabschnitte sind Belegtmelder vorgesehen. Die Weichen werden vorbildgetreu von Hand gestellt. Über Gleiswendeln kann ein tiefer gelegener fünfgleisiger „Schattenbahnhof“ angefahren werden.

Die Module bestehen aus Sperrholz mit Metallrahmen. Die Gleise liegen auf Trassenbrettern, die zur Geräuschdämmung und zur Nachbildung des Schotterbettes mit Streifen aus Trittschalldämmmatten für Parkettböden versehen sind. Die Geländestruktur mit abnehmbaren Bergteilen wurde aus Dämmschaumplatten modelliert, anschließend mit Gipsbinden überzogen und gespachtelt. Die etwa 700 „Hintergrundbäume“ entstanden aus Aquarienfilterwatte und Schaschlikspießen (für die Stämme). Die Baumrohlinge wurden zunächst schwarz gespitzt und dann mit Sprühkleber und Schaumstoffflocken „begrünt“. Für die Landschaftsgestaltung sind selbst gefertigte Felsen aus Gips und verschiedene, meist handelsübliche Streumaterialien verwendet worden. Die Gebäude entstanden aus abgewandelten Bausätzen oder komplett im Eigenbau. Der Hintergrund ist mit Künstlerölfarben gemalt worden und stellt die bergige Landschaft der Appalachen dar.